Wir fordern die sofortige Schliessung und Sanie- rung der Jagdschiess- anlage Au in Embrach!

Aus dem Untersuchungsbericht:

  • 250’000 kg Blei und 600 kg Antimon/Arsen liegen in der Jagdschiessanlage (Seite 44)
  • Bis zu 30 cm dick liegen Wurfscheibenfragmente und Schrotbecher im Wald und Ried (Seite 68)
  • Fruchtfolgeflächen auf der Töss-Gegenseite sind mit Blei belastet (Seite 69)
  • Grundwasser ist massiv mit hochgiftigem Antimon und Blei belastet (Seite 69)
  • Trinkwasser des Kynologischen Vereins ist verunreinigt (Seite 71)

 

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Untersuchungsbericht

 

Beilagen:  i j k l m n o p q r

 

Zusammenfassung des Untersuchungsberichtes

 

Die Jagdschiessanlage besteht seit 1965. Davor war das Areal als Handgranatenstand, vermutlich vom Waffenplatz Kloten-Bülach, genutzt. Die Jagdschiessanlage wurde bis in die 90er Jahre immer wieder erweitert. Sie besteht aus einer Trap- und einer Skeetanlage, drei Jagdparcours u.a. mit Roll- und Kipphasen sowie aus einem Jagdschiessstand (Keiler 65 m, Reh 100 m und Gämse 150 m). Die wesentlichen Anlagenteile wurden alle bewilligt. Allerdings konnte die Recherche der Baubewilligungen auch Lücken aufzeigen, wie u.a. bei den Wällen der Skeetanlage I, der Schiesstafel, bei dem zeitweise betriebene Abwurfhäuschen beim Jagdparcours Wald sowie bei den Rollhasen des Parcours Kugelstand. Ob die Lücken auf fehlende Unterlagen oder gar auf fehlende Bewilligungen zurückzuführen sind, lässt sich abschliessend nicht beantworten. Bis vor 5 Jahren wurde mit Blei geschossen, seither mit Ausnahme der Kipphasen praktisch ausschliesslich mit Eisenschot. Das Areal der Schiessanlage liegt südlich von Embrach auf einem abgesenkten Terrassenplateau in einer Töss-Schlaufe unmittelbar angrenzend an die Töss. Das Areal der Jagdschiessanlage gehört der Gemeinde Embrach, die Parzellen nördlich davon, im Bereich der Töss, der Baudirektion des Kantons Zürich/AWEL. Weiter nach Norden folgen private Parzellen sowie Parzellen der Gemeinde Freienstein-Teufen. Das Untersuchungsareal ist durch eine komplexe Geologie mit Bruchtektonik gekennzeichnet. Unter den geringmächtigen Deckschichten (in der Regel < 2m) liegt im allgemeinen ein Niederterrassenschotter, in dem das Grundwasservorkommen zirkuliert. Das Grundwasservorkommen ist geringmächtig und wird zum einen über Quellen im Süden, zum anderen über Grundwasserneubildung im Bereich des Terrassenplateaus gespeist. Unterhalb der Jagdschiessanlage im Wald gibt es weitere Quellaustritte, wo das auf dem Gebiet der Jagdschiessanlage neu gebildete Grundwasser auf der Felsoberfläche erneut austritt. Als Grundlage für die Abklärungen wurde der Jagdschiessbetrieb eingehend untersucht. So wurden die Abwurfrichtungen der Wurfscheiben sowie die Depositionsgebiete recherchiert und durch Feldkartierungen überprüft.

 

Die Untersuchungen im Feld führten zu folgenden Erkenntnissen:
– Auf dem Untersuchungsareal wie auch im angrenzenden Wald existiert grossflächig eine künstliche Auffüllung von 0.1 bis 0.3 m Mächtigkeit, die aus Wurfscheiben, Wurfscheibenfragmente und Schrotbecher besteht.
– Auf dem ganzen Areal der Jagdschiessanlage, im Ried wie auch im Wald biszur Töss sind die Deckschichten bis 20 cm Tiefe deutlich mit Wurfscheibenfragmenten durchsetzt.
– Beim Jagdschiesstand ist der Boden teilweise massiv mit Bleikugeln übersät.
– Im Wald, rund 75 m von der Trapanlage entfernt, besteht ein Schrot-Depositionssaum.
– Auch der Gegenhang der Töss ist bleibelastet. Der Bleiperimeter umfasst z.T. Fruchtfolgeflächen.
– Zwei Quellwasserläufe beim Jagdparcours Wald sind mit zahlreichen Wurfscheibenfragmenten sowie vielen Schrotbechern befrachtet.
– Der Bleidepositionsperimeter beim Jagdparcours Kugelstand reicht bis in die Grundwasserschutzzone S3 und S2 der Grundwasserfassung I6-24.

 

Die künstliche Auffüllung ist hoch schadstoffbelastet. Es handelt sich dabei um Sonderabfall. Die Hauptverunreinigungsparameter sind PAK, Antimon und Blei. Die PAK-Belastungen sind auf die früher verwendeten Wurfscheiben zurckzuführen. Die Belastungen decken sich in etwa mit den aus der Literatur recherchierten Daten über die Zusammensetzung der Wurfscheiben. Antimon und Blei stammen aus dem Bleischrot. Die Schadstoffe werden stark ausgelaugt, sodass gemäss Altlasten-Verordnung heute ein Sanierungsbedarf besteht.

 

Auch die weit verbreiteten Deckschichten, die mit Wurfscheiben, Wurfscheibenfragmenten und Schrothülsen durchsetzt sind, sind stark mit PAK, Blei und Antimon belastet. Auch hier handelt es sich um Sonderabfall. Das Rückhaltevermögen der Deckschichten gegenüber Schadstoffen wird nicht zuletzt aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Mächtigkeit als gering beurteilt. Dies bestätigenauch die Bodenuntersuchungen, die zeigen, dass bei den stark belasteten Böden die Schadstoffe tatsächlich mobilisierbar sind.

 

Die Grundwasseranalysen zeigen massive grossflächige Belastungen vor allem durch Antimon, aber auch durch Blei sowie an einer Stelle durch Benzo(a)anthtracen. Die Belastungen zeigen gemäss Altlasten-Verordnung einen Sanierungsbedarf an.

 

Das Schadstoffpotential an PAK und Blei/Antimon ist gross. So ist damit zu rechnen, dass im Bereich der Jagdschiessanlage rund 10'000 bis 24'000 kg PAK liegen. Zudem sind ca. 200'000 bis 250'000 kg Blei und ca. 500 bis 600 kg Antimon/Arsen rund um die Jagdschiessanlage zu erwarten.

 

Es ist davon auszugehen, dass die Belastungen des Grundwassers erst der Anfang einer sogenannten "Lösungswelle" bedeuten. D.h. es ist damit zu rechnen, dass die Grundwasserbelastungen mit zunehmend besserer Verfügbarkeit der Schadstoffe in Zukunft noch deutlich zunehmen werden.

 

Es gibt eine Vielzahl von raumplanerischen Zonen, die das Untersuchungsgebiet tangieren. Wichtige Zonen sind:

 

a) der Perimeter der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung BLN Objekt Nr. 1410 Irchel (Anhang 8a) und

 

b) der Perimeter Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung Objekt Nr. 344. Beide umfassen die gesamte Jagdschiessanlage (Anhang 8a)

 

c) Die überkommunale Naturschutzzone I nimmt weite Teile der gesamten Jagdschiessanlage ein (Anhang 8b),

 

d) die überkommunale Waldschutzzone IV, wird hauptsächlich vom Jagdparcours Schilf betroffen (Anhang 8b) und

 

e) die Grundwasserschutzzonen S1, S2 und S3 der Fassungen l6-24, l6-25 und der Quellwasserfassung Römerweg, werden vom Bleibelastungsperimeter des Jagdparcours Kugelstand betroffen (Anhang 8c).

 

Eine Jagdschiessanlage verträgt sich schlecht mit einem BLN- bzw. einem Auengebiet. Die Jagdschiessanlage ist seit 1965 in Betrieb, die Objekte der beiden Bundesinventare wurden zu einem späteren Zeitpunkt erlassen. Eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes ist aus raumplanerischer Sicht unverhältnismässig, aber aus altlastenrechtlicher Sicht angezeigt.

 

Die Naturschutzzone wie auch die Waldschutzzone IV dulden keine Ablagerungen aller Art, wie sie hier nachweisbar sind.

 

Das Lagern und Verwenden von festen Stoffen, die das Grundwasser verunreinigen können (hier vor allem Bleischrot), ist in der Schutzzone S2 und S3 verboten.

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Wurfscheiben-Spiel

Tontaubenschiessen schadet der Natur

Tontaubenschiessen mag eine olympische Disziplin sein, in erster Linie aber ist es eine Riesensauerei. Wer es nicht glaubt, besuche die Jagdschiessanlage in Embrach. Dort wird an 200 Tagen im Jahr auf Tontauben geschossen. Der Abfall dieser Wurfscheiben liegt 30 Zentimeter dick im Waldboden verstreut, und die Bleiablagerung wird bereits auf 250 Tonnen geschätzt. Was ist denn daran olympisch, bitte?

Hans Meili, Dättlikon